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Benachteiligtenförderung
als zentrales Handlungsfeld
Die
Benachteiligtenförderung entwickelt sich von einem ehemaligen Randgebiet
der Berufsbildung zu einem zentralen Handlungsfeld. Wenn gesellschafliche
Innovationsprozesse und wirtschaftliche Umstrukturierungen sich beschleunigen,
wenn neue Technologien sich zu grundlegenden Kulturtechniken mausern,
ohne die der Zugang zu ganzen Aktionsbereichen verwehrt bleibt, wenn die
Aufrechterhaltung sozialer Anschlussfähigkeit nicht mehr Aufgabe
des Gesellschaftssystems ist, sondern zur Lebensaufgabe eines jeden Individuums
gemacht wird, dann wächst auch die Gefahr von sozialem Ausschluss
ganzer Gesellschaftsgruppen, vom Herausfallen Einzelner aus dem System.
Damit wird die Aufgabe der Benachteiligtenförderung gerade an den
Naht- und Bruchstellen sozialer und wirtschaftlicher Sphären zunehmend
akut.
Was
bedeutet "besonderer Förderbedarf"?
Junge
Menschen, die aus verschiedenen Gründen in unserer Gesellschaft benachteiligt
sind, sollen auf unterschiedlichen Wegen die Förderung erhalten, die sie
benötigen, um eine Ausbildung abzuschließen. Benachteiligungen beim
Einstieg in die Arbeitswelt ergeben sich sowohl aus den äußeren Rahmenbedingungen
(z.B. regionale Arbeitsmarktsituation, mangelnde Praxisnähe der schulischen
Ausbildung, Abstimmungsprobleme im Übergang) als auch aus den individuellen
Voraussetzungen (z.B. soziale und ethnische Herkunft, Geschlecht, schulische
Vorbildung). Übergangsprobleme treten vor allem bei der Bewältigung der
zwei Statuspassagen von der Schule zur Berufsausbildung und von der Ausbildung
zur Erwerbstätigkeit auf. Jugendliche mit erhöhtem Förderbedarf sind an
diesen Übergangsstellen besonders gefährdet, in Arbeitslosigkeit abzurutschen
oder eine negative Maßnahmenkarriere zu starten.
Ganzheitliche
Lernprozesse
Geeignete
Fördermaßnahmen nehmen nicht als erstes die Schwachstellen der Lernenden
in den Blick, sondern setzen bei ihren individuellen Voraussetzungen,
Kompetenzen und Zielen an: Die gesamte Lebenswelt steht im Mittelpunkt
des Lernprozesses. Das erfordert ganzheitliche Lernprozesse, die über
das berufliche Lernen hinaus auch soziales Lernen einbeziehen und die
Entwicklung der gesamten Persönlichkeit im Blick haben. Dem entsprechen
handlungsorientierte Ausbildungsmethoden, bei denen sich das abstrakte
Lernen aus der praktischen Handlung ableitet, z.B. bei der Erstellung
konkreter Produkte als Ergebnis von Projektarbeit. Durch eine regionale
Vernetzung von Ausbildungs- und Maßnahmenträgern sowie eine modulare Struktur
der Lerninhalte können Übergänge erleichtert und frustrierende Wiederholungen
vermieden werden.
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